"Atmosphärische Engelsballaden aus einer andern Welt" bejubelte ein sonst als kritisch gefürchteter Musikjournalist einst die Musik von
.
Das vorliegende Album heißt "Nothing Is Infinite" - "Nichts ist unendlich": Ist der himmlische Engel jetzt hart auf der Erde gelandet, betrauern wir eine Ankunft im Alltag? Weit gefehlt! Musikalisch setzt dieses Werk von
eindrucksvoll die Vision von einer melancholischen, bombastischen und dennoch federleichten-schwebenden Popmusik in Cinemascope fort, nach wie vor liefert uns
den perfekten Soundtrack für unsere Tagträume.
Angelzoom ist das Projekt von
Claudia Uhle. Als Mittelpunkt und Stimme von
X-Perience legte sie eine beachtliche Popkarriere hin, die Band gehörte in den Neunzigern mit zwei Millionen verkauften Tonträgern zu den wichtigsten Popprojekten in Europa. Der Name
Angelzoom wurde einem frühen
X-Perience-Stück entlehnt, einer ruhigen, soundtrackartigen Nummer, die im weitesten Sinne die Richtung des Soloprojekts vorgab.
Mit dem
Angelzoom-Debüt-Album knüpfte
Claudia Uhle 2004 an die besten, die zeitlosen Momente des
X-Perience-Sounds an. Sie tourte mit
Witt,
Nik Page und
Apocalyptica, avancierte in verschiedensten Medien zum "Newcomer des Monats", platzierte sich in etlichen Charts und steuerte den Soundtrack zum internationalen Kino-Thriller "Alone In The Dark" bei.
Die Kategorisierungsversuche für ihr gleichnamiges Debüt-Album reichten von Darkpop über Elektro und Neo-Classic bis Ambient. Die Schnittmenge daraus, gepaart mit einer sehr markanten und dennoch himmlischen Stimme, einem elfenhaften Gesang, trifft es vielleicht. Sinnlich, emotional, traumhaft, atmosphärisch. Kopfkino, das ins Herz trifft.
Eine gesunde Basis, jedoch konsequent weiterentwickelt, die auch das neue Werk ausmacht. "Nothing Is Infinite" ist ein schlicht gewaltiges Klangwerk. Es paart die Stärken des Debüts mit den Möglichkeiten einer menschlich wie musikalisch gereiften Künstlerin.
Verglichen zum Vorgänger ist der
Angelzoom Sound wesentlich schwerer und kantiger, düsterer und emotionaler geworden, erneut produziert von
Bernd Wendlandt (
Silbermond,
Cinema Bizarre,
Silly,
Nik Page) in den Berliner Valicon-Studios. Die Reinheit der himmlischen Stimme zeigt sich angereichert durch die Lebenserfahrung einer gereiften Künstlerin, die Lieder wurden intensiver, komplexer, tiefer und emotionaler.
Es geht um Geburt und Tod, um Fragen zur Welt und zum Leben, um apokalyptische Visionen und angstmachende Entwicklungen. Aber es geht auch um Optimismus und Stärke, Zukunftsvisionen und Hoffnung. Anders: Bei allen düsteren Erkenntnissen und aller brachialer Realitätsnähe sind am Ende des Tunnels Lichter zu erkennen. Was in der Beschreibung ein wenig pathetisch klingt, meint An- und Einsichten einer vielschichtigen, sensiblen, selbstbewussten Frau, die voller Neugier auf die Welt und auf der Suche nach ihrem Sinn ist. "These Arms Of Mine" etwa thematisiert das Wohlfühlen in der eigenen Haut, "My Innermost" die Verlässlichkeit des Bauchgefühls und "Runaway" die Frage, wofür man sich entscheidet. "Everyone Cares" handelt von den Ängsten und Sorgen eines jeden und der Kraft des Glaubens an die Menschen, die man liebt, "Doomsday" vom Traum einer besseren Zukunft, von der Hoffnung.
"Nothing Is Infinite" wartet - ähnlich wie der Vorgänger - mit zwei interessanten, weil äußerst individuell neu interpretierten Coverversionen auf: "Fragile" von
Sting und "The Things You Said" von
Depeche Mode. Zwei Songs, die sich auf wunderbare Weise in die
Angelzoomwelt fügen.
Die Maxi-CD und Vorab-Single "The Things You Said" ist auch das erste Lebenszeichen von
Angelzoom 2010 und mauserte sich schnell zum veritablen Clubhit. Ein Lebenszeichen, das neugierig auf mehr macht. "Nothing Is Infinite", nichts ist unendlich, der Traum ist vorbei? Ganz im Gegenteil, er fängt erst an. Wir leiden am Wissen um unser endliches Sein und träumen deshalb von der Ewigkeit, oder: Nichts ist unendlich außer unsere Sehnsucht nach dem Unendlichen. Um nichts weniger als das geht es in den Liedern von
Angelzoom.