Wenn man auf einmal ein Leben auf der Überholspur fährt "brennen gut und gerne einmal die Sicherungen durch", beschreibt das Rockstar Model den intensiven Bandalltag. "Die Zeit nach "Beloved Enemy" war sicher nicht die leichteste für uns. Differenzen, unterschiedliche Zielsetzungen - die Stimmung kippte und fand mit Alicia Vayne auch ein personelles Opfer, Schlagzeuger BJ wechselte an den Bass. "No Gods" stand zunächst unter keinem guten Stern: Nach all den internen Reibereien dachten wir daran, einen Schlussstrich mit einem letzten Album zu ziehen. Doch mitten im Recording-Prozess merkte man, dass all die Dissonanzen nur noch mehr Kraft in die Songs des Projektes brachten, das uns allen so am Herzen liegt. Diese Energie wollten wir unbedingt bündeln." In der gemeinsamen kreativen Arbeit fand die Gruppe wieder zueinander und "kam gestärkt aus der Krise heraus", so Dorians Fazit.
Ein Schlüsselmoment im Proberaum brachte die Wende: "Alle Fronten waren bereits zerrüttet, doch bei einer halbstündigen Jam Session über ein simples Bluesriff spürten plötzlich alle, dass die Magie wieder da war, ohne dass irgendjemand ein Wort gesagt hatte." Der folgende Auftritt beim Blackfield Festival glättete die Wogen endgültig.
Sound-Guru Tim Schuldt sollte die Energiefelder in die richtigen Bahnen lenken, "der richtige Mann, zum richtigen Zeitpunkt", spürt der Sänger mit dem Doppel-D. "Härter, rockiger sollte es klingen. Stahl, Schweiß und Muskeln zeigen, wie man im Ruhrgebiet so schön sagt." Auch das dynamische Drumming des neuen Schlagzeuges Dino rückte in der Vordergrund, bereits der Opener "Revenge" stellt so manchen US-Industrial-Rocker in den Schatten.
Joes typisch romantischer Tanz auf der Rasierklinge ist deshalb längst nicht passé: In bewährter Tradition schließt die LP mit der nachdenklichen Ballade "Tonight" ab, die die Komplexität der eigenen Klangkosmen resümierend auf den Punkt bringt. Obwohl "Transitoriness" das Älterwerden thematisiert, erfüllte sich Dorian beim Covershoot zu "No Gods" einen alten Kindheitstraum: Art-Designer Grace Khold verwandelte
Jesus On Extasy in düstere Super-Antihelden und erzählt die Geschichte der CD in einem lebendigen Cyber-Comic.
In "Riot" lassen die Deverauxs den Dampf der vergangenen Leidenszeit ab und sagen falschen Heldensagen den Kampf an. Das Leben selbst in die Hand zu nehmen und zur Not den Aufstand proben, lautet die neue Devise. "Die wahren Helden sind diejenigen, die sich von niemandem blenden lassen und sich wehren".