in seiner Eigenschaft als Electronic Wizard haben schon seit Anbeginn ihrer Karriere wesentlich heftiger auf ihr soziales und politisches Umfeld reagiert als alle anderen Mitbewerber der Electro-/Industrial-Szene. Ihr mittlerweile 14tes Studioalbum "hanDover" (dt. "Übergabe") konzentriert sich nicht nur auf die unstillbare Gier der global agierenden Finanzkrisen und deren Regierungen, die sie einfach gewähren lassen, sondern auch auf das vorherrschende Klima der politischen Unfähigkeiten, das die Leute dazu bringt, sich einfach ihrem Schicksal zu ergeben; egal, wie heimtückisch ihre Situation noch werden könnte. In typischer Puppy-Manier steht "hanDover" für eine weitere bedeutsame Weiterentwicklung der Protagonisten bei gleichzeitigem Beibehalten ihres Gespürs für neue elektronische Klangwelten - beides war immer das Markenzeichen ihrer nunmehr 26jährigen Karriere.
Unterstützt durch ihre langjährigen Weggefährten
Ken "Hiwatt" Marshall und
Mark Walk haben
Ogre und Key ein Album geschaffen, das die heutige kulturelle Unsicherheit eindrucksvoll widerspiegelt. In den atonalsten Momenten klingt "hanDover" nach digitaler Epilepsie - die Vorliebe der Band für undurchsichtige akustische Bedrohlichkeiten wird gekonnt durch zitterndes, fast schon krampfartiges Unbehagen beim Hörer ersetzt. Die entrückten Klangteppiche in "Gambatte" oder auch das mechanische "Icktums" (mit seinem Refrain "Worship money, worship nothing") schildern eine Gesellschaft, die den Fuß auf dem Gaspedal hat - auf der Straße zur eigenen Ausrottung.
Ogres pervertierte Fabel "Brownstone" ist angefüllt mit zuckenden Synthie-Klängen, die an eine Orgie medizinischer Instrumente erinnern. "Village" klagt die Finanzwelt aus der Sicht einer ignoranten Bevölkerung an, die eben jene mit ihren dunklen Machenschaften davon kommen lässt ("Wir sind alle dazu bestimmt daran teil zu haben, also billigen wir es auch alle stillschweigend", erklärt Sänger
Ogre. "Das ist ein typisches
Ogre-paranoides Liedchen, komplett mit Alufolien-Hut!"). Das siebenminütige "NoiseX" verwebt Schichten programmierter Breakbeats mit phasenverschobenen psychedelischen Perspektiven, um einen Supercomputer zu simulieren, der schneller und schneller ins Fegefeuer stürzt. Gelöste Stimmung oder Angriff - jedermanns eigene Entscheidung.
"Das Leben bahnt sich seinen Weg, nur oftmals bewegt es sich viel schneller als die Musik, die du machst", zieht
Ogre Bilanz. "Cevin und ich sind eigentlich gut aufgehoben, wo wir persönlich sind - zwei unreife 50jährige", lacht er. "Ich habe nicht vor aufzuhören, bis mein Herz aufhört zu schlagen. Ich erinnere mich an die Zeit, als wir (die 1984er Debut-EP) "Remission" fertig hatten. Ich dachte damals "Was für eine großartige Erfahrung! Ich hab eine Platte gemacht!" Wie diese EP von damals noch heute bei den Leuten nachhallt, ist mir noch immer ein Rätsel." Eigentlich ist es aber gar kein Rätsel.
Skinny Puppy haben eine Karriere aufgebaut auf der Erkenntnis, dass Gleichgültigkeit dasselbe ist wie stillschweigende Billigung. Wem übergibst DU dein Leben in diesen Tagen?